Kehraus 2020

Wohl Wenige werden diesem Jahr eine Träne nachweinen und die sonst übliche sylvestrale Wehmütigkeit beim Blick zurück, wird dieses Mal weitestgehend ausbleiben. Beim Innehalten werden wir auch sicher nicht vom Oohh und Aahh beim Anblick pyrotechnischer Himmelsbilder abgelenkt werden. Aber! Luna, unser Erdtrabant erstrahlt in dieser Nacht nochmal in voller Pracht und dies ist vielleicht die stillere und dennoch anmutigere Alternative zum sonst üblichen Himmelsgetöse.

2021 wird nun von uns allen herbeigesehnt und mit viel Hoffnung überfrachtet, auf das sich nun doch alles oder zumindest Besseren wendet. Doch von ganz allein wird sich das nicht erledigen. Das vermaledeite Virus hat uns in bisher ungeahnter Weise herausgefordert und der Umgang mit ihm jedem ziemlich viel abverlangt. Der ständige Krisenmodus hat aber auch viel von uns und unserem Umgang mit Extremsituationen offenbart. Queres Denken und kritische Distanz zu Verordnungen, im ursprünglichen Sinne positive Grundhaltungen, wurden von einer Minderheit gekapert und bis zur Absurdität dekonstruiert. Aber auch durchaus berechtigte und unverzichtbare Kritik an Maßnahmen erhielten unsägliche Zertifizierungen, sobald man selbst in besonderer Weise davon betroffen war. Ohne Zweifel, die Verbote der Berufsausübung brachten viele Existenzen in existenzielle Nöte, doch sind staatliche verordnete Einschränkungen bei der Freizeitgestaltung gleich Ausdruck oder Mittel diktatorischer Machtausübung?
Die „sozialen“ Netzwerke fungierten schon seit jeher als Ventil und Podium verbaler Ungeheuerlickeiten, doch in welch unsäglicher Weise dies in der aktuellen Situation erfolgte, lässt nichts Gutes erahnen und zeugt von Ignoranz sowie tief sitzender Aggression.
Denkt man an weitere, schon jetzt bestehende Zumutungen, zuvorderst die Krisen um die Erderhitzung und das dramatische Artensterben, deren globale Auswirkungen für uns nicht in gleichem Maße visualisierbar sind, wie die Bilder aus Intensivstationen oder von Bestattungszentren mit Corona-Opfern, wie sollen wir dann diese Herausforderungen bewältigen?

Nun denn, es bleibt die Hoffnung, dass wir alle an den Herausforderungen wachsen, was schon Hölderlin so trefflich formulierte: “ Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten Rutsch und nur das Beste für 2021!

2 Kommentare zu „Kehraus 2020

  1. Wie immer absolut zutreffend! Freue mich auch 2021 auf jeden neuen Obacht-Beitrag den ich immer gerne weiter verbreite. Nur nicht aufgeben! Wachsen ist möglich

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