Es weihnachtet zu sehr!

Es weihnachtet zu sehr!

„Ja is denn schon wieder Weihnachten?“ werbespottete vor einigen Jahren ein Ex-Giesinger und nun aufgrund fiskalischer Optimierung in Salzburg residierendes Fußballblaublut.
Ja, gefühlt seit dem Wiesn-Ende befinden wir uns im Weihnachtsmodus. Anfangs etwas verschämt, (die seit Mitte August in den Supermarktregalen feilgebotenen Lebkuchenherzen wurden aufgrund Schimmelbefall bereits zweimal ausgetauscht) nun aber, wenn‘s ab Mitte November stramm auf den 1. Advent zugeht und es in nahezu jedem Kaff weihnachtsmarktelt, brechen alle Dämme. Von wegen „staade Zeit“! Dörfer und Innenstädte werden von einer Melange aus drittklassigen Weihnachtsliedern, Synthesizer-Glocken-Gebimmel und Hohoho-Rufen zwangsbeschallt, dass einem um die Gesundheit der hier arbeitenden und lebenden Menschen Angst und Bang wird.

Nur hartgesottene Naturen und absolute Glühwein-Junkies setzen sich freiwillig diesem Inferno aus. Gerät man als eher zartbesaiteter Zeitgenosse, aufgrund nicht aufschiebbarer Sachzwänge, vulgo Geschenkeeinkauf, dennoch in diesen Molloch, ist Vorsicht geboten. Hunger- oder Durstgefühl sollten –wenn irgend möglich – unterdrückt werden. Die an den zahlreichen Fress-Ständen angebotenen „Spezialitäten“ sind ausnahmslos für speziell robuste Mägen gedacht und geeignet, dem Verzehrer eine veritable Magen- und Darmverstimmung zu bescheren.

Ist das eine Zeiterscheinung, war früher alles besser? Von wegen! Schon vor über 40 Jahren antwortete der Wiener Kabarettist Helmut Qualtinger in seiner Figur des Travnicek auf die Frage des Herrn Karl: „Was wünschen Sie sich, wenn sie durch das weihnachtlich erleuchtete Wien gehen? Einen Kurzschluss!“
Die Vorweihnachtszeit war also schon immer überwürzt in optischer, akustischer und kulinarischer Hinsicht, früher halt auf einfacherem, niedrigerem Niveau und vielleicht mit weniger Geschmacksverstärkern versehen und nur punktuell anzutreffen.
Heute dagegen, ein Entkommen nahezu ausgeschlossen, selbst bei Meidung aller konsumistischen Hotspots. Naturgegeben bewegt man sich ja ab Anfang November in der Dunkelheit in die Arbeit und nach getanem Werk wieder nach Hause, aber selbst hier, auf vermeintlich nicht-vorweihnachtlich kontaminiertem Terrain, es gibt kein Entkommen.
Straßenzüge werden mit sämtlich aufzutreibenden Leuchtmitteln versehen und gleichen dem Champs Elysées am 14. Juli bei Nacht. Angesteckt durch derlei Euphorie können auch die privaten Haushalte nicht außen vor bleiben. Farblich changierende Lichtspiele und blinkende Sterne vor und in den Fenstern, Weihnachtsmänner(hohoho!) die halsbrecherisch Balkone erklimmen, illuminierte Rentiergespanne über dem winterfest abgedeckten Gartenteich! Verschreckt vom Anblick, beantragt der heilige St. Nikolaus Asyl in der Türkei.

Als einziger, nur dezent weihnachtlich geschmückter Bereich bleibt, Gottseidank(!), das Büro. Und während ich diese Zeilen schreibe umweht mich ein verführerischer Duft nach Zimt, Nelken, Sternanis und ROTWEIN!, offenbar hat die Kollegin Glühwein aufgesetzt!
Mei, so schee is´ scho, de Vorweihnachtszeit!

Eine frohe, friedliche Adventszeit!

(Autor unbekannt, nach ihm wird derzeit europaweit durch die Leuchtmittel- und Süßwarenindustrie gefahndet!)

Ein Kommentar zu „Es weihnachtet zu sehr!

  1. Ähnliches ging mir die letzten Tage auch durch den Kopf. Der elektrischen Weihnachts-Illuminierung sind offensichtlich keine Grenzen gesetzt….das Thema Klimawandel und Energiewende scheint da bei vielen irgendwo in der Schublade zu verschwinden…

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