Mit Strom ins Gebirge

Etwa Mitte des 18. Jahrhunderts begannen sich die Menschen für die alpinen Räume zu interessieren und machten sich auf, diese zu entdecken. Wurde in früherer Zeit der Alpenhauptkamm, aufgrund der hier herrschenden lebensfeindlichen Umstände, nur notgedrungen und auf Saumwegen überquert, waren es vornehmlich gebildete, gut situierte Städter, die sich aufmachten die Alpen und ihre Gipfel zu erkunden. Hieraus entwickelte sich der Alpinismus und all seine vielfältigen Ausprägungen.
Die Gründe, weshalb sich seit dem Menschen aufmachen, alpine Ziele zu erreichen, sind zwar unterschiedlich intendiert, ihnen allen liegt doch die Bereitschaft zugrunde, größere körperliche Anstrengungen in Kauf zu nehmen, um in nicht, oder wenig  zivilisationsgeprägten, einzigartigen Gebirgslandschaften Abstand zum Alltag zu finden.

Anfang der 1980er Jahre begann eine technisch optimierte Form des Tourenrads sich die Berge zu erobern,  das Mountainbike. Schon vorher nutzen viele Bergsteiger Fahrräder, jedoch als Mittel zum Zweck, um die Hatscherei durch lange Gebirgstäler etwas abzukürzen und so schneller ihre wirklichen, abgelegenen Ziele (Kletterrouten, Skirouten..) zu erreichen. Das Mountainbiken entwickelte sich jedoch schnell als eigene Spielart innerhalb des alpinen Sport-Portfolios, mit durchaus unterschiedlichsten Ausrichtungen.
Als nun vor etwa 15 Jahren, aus den mittlerweile sukzessiv etablierten Elektrofahrrädern (Pedelecs), die ersten Modelle von E-Mountainbikes angeboten wurden, verortete man deren Einsatzzweck vornehmlich für Senioren, oder Menschen, welche sich aus unterschiedlichsten Gründen der physischen Anstrengung des Bergradelns nicht mehr aussetzen wollen oder können.
Ist man heute auf den klassischen Mountainbikerouten im Gebirge unterwegs und achtet nur auf die lässig vorbeiziehenden Räder, hegt man den Verdacht, nahezu 80% der Fahrer haben einen Versehrtenausweis oder befinden sich im letzten Fünftel ihres irdischen Daseins. Erfasst der Blick das komplette Ensemble aus Mensch/Maschine, wird man der manipulativen Kräfte gewitzter Strategen der Sportartikelindustire gewahr. Zeitgenossen, welche aus eigener Kraft niemals in der Lage wären, auch nur geringste Steigungen zu bewältigen, optisch, durchaus als sportlich ambitionierte 40-50 Jährige, auf- und hineintretende Gestalten, sowie helm- und protektorenbewehrte Downhillaspiranten nutzen den Elektroantrieb, um der Natur näher zu kommen. Äußerlich bereits von Weitem gut zu erkennen an einer Melange aus deutlicher Rückenlage und leicht O-beinigem Pedalieren.
Legen Bergradler, die noch aus eigener Kraft die angestrebten Ziele erreichen, Wert auf möglichst geringes Gewicht und eine gewisse Ästhetik des Rades, scheint dies bei der Auswahl des Elektroboliden keine oder nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Systemgewichte jenseits von 23 kg, Hinter- und Vorderradfederung – selbst bei ausschließlichem Einsatz auf befestigten Forststraßen, klobiges, jedem ästhetischen Empfinden zuwiderlaufendes Erscheinungsbild, dies alles wird beim E-Bike klaglos und willfährig akzeptiert.

Die Generation E gibt sich bereitwillig einem Hype hin. Einer durchaus durchdachten und bis ins Detail ausgefeilten Strategie von Marketingexperten der Fahrradindustrie und von Tourismusmanagern. Erstere verschaffen den rückläufigen Absatzzahlen im Fahrradmarkt einen defibrillatorischen Überlebensimpuls, zweitere kompensieren in Zeiten klimatischer Veränderung die Stagnation im Wintergeschäft, durch eine Nivellierung des Höhenprofils auf den vorhandenen, doch für den Normalradler ohne Elektroantrieb, unzumutbaren Strecken.

Einer auf Selbstoptimierung getrimmten Generation kommt das E-Bike bestens zu pass. Der Workout nach dem Job begrenzt sich nicht auf überschaubare Ziele, dank bis zu fünffach zuschaltbarer Motorleistung erhöht sich auch die Anzahl der bewältigten Höhenmeter, die sich via sozialer Medien, zur Eigenvermarktung, optimal teilen lassen.

Scheinbar verschattet der gegenwärtige E-Bike Trend den des Bergradelns zugrundeliegende Besonderheiten. Unabhängig von Hilfsmitteln, aus eigener Kraft erarbeitet man sich mit entsprechender physischer Anstrengung und motorischen Fähigkeiten ein Ziel und erkennt nach regelmäßigem Training den Zuwachs der eigenen Leistungsfähigkeit. Die Zufriedenheit stellt sich nach Zurücklegen des Anstiegs ein und bedarf keiner Multiplikation des Erlebten, bzw. weiterer Auffahrten und Anstiege (wohlwissend, der Anstieg wurde nicht by fair means erreicht).
Vielleicht ist der Griff zur „Alpen-Saxonette“ aber schlichtweg dem Wunsch nach Bequemlichkeit, sozusagen dem Wunsch eines Berg-Light Erlebnisses geschuldet. Statt dem Bezwingen des Gipfels via Bergbahn, gelangt man E-unterstützt ans Ziel, man hat sich quasi einen individuellen Lift angeschafft.
Dies alles lässt sich verschiedenartig subsumieren, mit Bergradeln im eigentlichen Sinn, hat es nichts zu tun.

Zwergen-Harakiri

Man wähnt sich in einem Polit-Horrorfilm angesichts der aktuellen politischen Ereignisse dieser Tage und wartet auf den Abspann, stellt aber erschreckt fest, dass es sich bei den absurden Auftritten und Verlautbarungen führender CSU-Vertreter, um aktuelle Tagespolitik handelt. Der vom Thronfolger aus dem Amt gemobbte Horst Seehofer versucht seit seinem Amtsantritt der deutschen Innenpolitik einen restaurativen Stempel aufzudrücken, hierbei soll ihm die Krise des BAMF en passant die Legitimation für eine noch härtere Flüchtlingspolitik verleihen. Weiterlesen „Zwergen-Harakiri“

Söders Asylplan

Ministepräsident Söder will am morgigen Dienstag den bayerischen Asylplan verabschieden. Die Keywords des Maßnahmenkatalogs sollen signalisieren, dass es sich um Gefahrenabwehr allerhöchster Dringlichkeit handelt: Abschiebung, Abschiebehaft, Zurückweisung an den Grenzen. Dem Bürger soll somit vermittelt werden, es handelt sich hierbei nicht um Menschen, die aus vielfältigsten Gründen Zuflucht in vermeintlich sicheren Ländern suchen, vielmehr ergreift der bayerische Staat die Initiative, „geht in Vorleistung“, im Kampf gegen eine unkontrollierbare Seuche. Weitaus dringlichere Maßnahmen, wie Integration, Arbeitserlaubnis, Bildungseinrichtungen, sucht man hier vergebens. Die Intention hinter diesem -wie immer- forschen Auftreten Bayerns ist klar, eine angstgeleitete diffuse Grundstimmung in der Bevölkerung soll aufgegriffen und gegebenenfalls verstärkt werden, schließlich gilt es im Herbst eine Landtagswahl zu gewinnen und die noch rechtereren Hetzer von der AfD sollen somit ihrer Themen beraubt werden. Hierfür ist jedes Mittel recht und billig.
Dass derweil im Mittelmeer jährlich tausende Hilfesuchende ihr Leben lassen, geschenkt, dass auf dem Balkan Flüchtlinge unter unwürdigsten Bedingungen ihr Leben fristen, ebenfalls geschenkt, schließlich gilt das Dublinabkommen und somit halten wir unser Land sauber, die Drecksarbeit erledigen, mit Unterstützung von Frontex, die Länder, welche die Außengrenzen Europas markiern: Italien, Griechenland usw.
Jenen, die es trotz aller Gefahren geschafft haben hier anzukommen, soll der Aufenthalt so unangenehm wie möglich gemacht werden, andernfalls könnte dies ja Begehrlichkeiten wecken und weitere Flüchtlinge ins Land locken.  Arbeitsgenehmigungen, Unterbringung in überschaubaren Einheiten unter Berücksichtigung ethnischer und geschlechtlicher Aspekte..: Fehlanzeige!
Die Anstregungen zu Integration lässt der Staat vornehmlich von Ehrenamtlichen leisten, ein Armutszeugnis.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass, nicht nur in Bayern, alles unternommen werden soll, hierzulande die Stimmung gegen Migranten weiter aufzuheizen, ja auch um den Preis einer Eskalation. Die Stimmen der letzten Aufrechten, auch in der SPD, für mehr Humanität und einer gesellschaftlich verbindenden Politik, sind nahezu verstummt. Das von den Vätern des Grundgesetzes formulierte Grundrecht auf Asyl, eine der wichtigsten Errungenschaften auf die wir stolz sein durften, wurde seit den neunziger Jahren kontinuierlich, bis zur Unkenntlichkeit gestutzt.
Die Würde des Menschen wird seitdem immer mehr angetastet und mit Füßen getreten, dies ist einer aufgeklärten, den Grundsätzen der Humanität verpflichteten Gesellschaft nicht würdig, es ist schlichtweg erbärmlich.

 

Erster Blogbeitrag

„Aufmerksamkeit ist die Zuweisung von Bewusstseinsressourcen auf Bewusstseinsinhalte, beispielsweise auf Wahrnehmungen der Umwelt oder des eigenen Verhaltens und Handelns, sowie Gedanken und Gefühle. Als Maß für die Intensität und Dauer der Aufmerksamkeit gilt die Konzentration.“ (https://de.wikipedia.org/)
Diese Begriffserklärung erhält man also für „Obacht“ bei Wikipedia.
Hiermit ist sehr treffend und umfassend beschrieben, welche Intention sich hinter meiner Entscheidung, einen Blog zu veröffentlichen, befindet.
Obacht! sagt der Vater zum Sohn, wenn sich dieser zum ersten Mal aufs Radl setzt; Obacht! sollte unsere innere Stimme uns sagen, wenn wir in den Medien unterwegs sind, um unser Wissen zu erweitern oder Informationen zu erhalten und zu verarbeiten.
Und Obacht! ist geboten, wenn es Politiker mal wieder gut mit uns meinen und aus Sorge um uns und unsere Sicherheit Gesetze verabschieden wollen.

Im Grunde genommen geht es um Aufmerksamkeit.
Aufmerksamkeit gegenüber uns, unsere Umwelt und gesellschaftliche Belange. Die Kategorie Heimat würde das Spektrum vervollständigen, auch wenn dieser Begriff leider (wieder) missbräuchlich und inflationär eingesetzt wird. Wenn also hier von Heimat die Rede ist, dann ohne irgendwelche -Tümelei und ohne ausgrenzendes Moment.

Die Beiträge sollen einerseits zur Diskussion und zur Auseinandersetzung mit allen möglichen Themen, die unsere Lebensbereiche tangieren, ermuntern. Einen Teil werden die Berge – in der Hauptsache die Alpen- einnehmen, Bilder, Bergerlebnisse aber auch die vielfältigen Bedrohungen, welche sich diese fantastische Landschaft durch Eingriffe des Menschen ausgesetzt sieht.