Jugend forsch

Bei den gesellschaftlichen und politischen Debatten über die Einordnung der drohenden Gefahren für den Fortbestand unseres Planeten, zuvorderst die Erderhitzung, das Artensterben und die weltweite Divergenz der Lebensverhältnisse, wäre es ratsam, die derzeitige Situation rückblickend aus der Perspektive im Jahr 2050 zu betrachten.
Ziemlich sicher würden uns dann die vielen, unter dem Verdikt des Sachzwangs getroffenen, oder eben nicht getroffenen Entscheidungen als unverständlich, ja geradezu absurd erscheinen.
Wie anders ließe sich sonst erklären, dass sich die Bundesregierung sehr wohl  wissenschaftlichen Rat einholt, ihre Entscheidungen jedoch stets in Abstimmung mit den Interessensgruppen aus Industrie und Finanzwirtschaft trifft und sich dabei fahrlässig über die Faktenlage hinwegsetzt.
Ein zukunftsfähiges Verkehrskonzept? Fehlanzeige, man lässt die Autoindustrie gewähren, weiterhin den Individualverkehr zu priorisieren und zudem verbrauchsintesivste Fahrzeuge als Lifestyleobjekte zu vermarkten.
Energiewende? Ausstieg aus der Kohleverstromung? Nur keine Eile! Man sorgt sich um geschätzt 20.000 Kohlekumpel, die aus politischer Kurzsichtigkeit 80.000 weggefallenen Stellen in der Solarindustrie werden negiert, der notwendige Strukturwandel vertagt.
Zukunftsfähige Landwirtschaft oder gar eine Agrarwende? Nicht in Sicht! Weiterhin setzt man, das Tierwohl und die Umweltbelastungen missachtend,  auf die segensreichen Effekte der industriellen Landwirtschaft: Lebensmittelexporte und hohe Profite in der Agrarindustrie.
Die Gesellschaft, oder besser, der Teil, der es sich leisten kann, verhält sich nicht minder absurd. In ihrem Konsumverhalten entspricht dies ziemlich genau den Erwartungen der politischen Klasse. Das 2,5t Geländecoupe und der mehrmalige Kurztripp nach Übersee verweisen auf eine gewisse Saturiertheit.
Aktuell wird die 2050er Perspektive wohltuend durch eine Bewegung ersetzt, der man bis vor Kurzem das Prädikat des Unpolitischen anheftete. Jugendliche, genauer Schüler und Studenten, inspiriert von der 16jährigen Schwedin Greta Thunberg, haben das Vertrauen in die politischen Eliten verloren und gehen Freitags auf die Straße, um für Klimaschutz und den Fortbestand des Planeten zu demonstrieren. Die Idee und Durchführung des Protests ist gleichermaßen evident und genial. Diese Generation wird wohl, wie keine andere zuvor, als erste die Wucht der klimatischen Veränderungen am eigenen Leib zu spüren bekommen und mag den wachsweichen Versprechungen und Vertröstungen keinen Glauben mehr schenken. Hierfür dem Unterricht fernzubleiben schafft die notwendige öffentliche Aufmerksamkeit und die so wichtige Vernetzung beherrscht diese Generation ohnehin.
Bezeichnend sind hierauf die Reaktionen aus der Politik. Vom bockbeinigen Verweis auf die Schulpflicht bis zur wohlwollenden, die politische Orientiertheit der Jugend lobenden Zustimmung wird alles aufgeboten. Allein die Taten und die Entschlusskraft für wirkliche Veränderungen bleiben aus.
Aber auch uns allen geböte es, mit einem gewissen Maß an Demut das Aufstehen der Jugendlichen zu betrachten. Offensichtlich haben wir nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um die notwendigen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen herbeizuführen.

Dennoch besteht Hoffnung und gleichermaßen lässt diese Entwicklung Optimismus aufkeimen. Notwendig ist eine Solidarisierung, Unterstützung und Vernetzung mit dieser Bewegung durch alle relevanten Kräfte aus dem Umwelt- und Naturschutzbereich, besser noch darüber hinaus. Es wäre die vielleicht einmalige Chance, die überfälligen Weichenstellungen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene herbeizuführen, wohl wissend, dass dies im ureigensten Interesse unserer Kinder und Enkel geschieht.

 

 

 

Nichts gelernt

Vor 74 Jahren, am 27. Januar 1945, wurden die Überlebenden des Vernichtungslagers Ausschwitz Birkenau von der Roten Armee befreit. 1996 wurde deshalb der 27. Januar zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ erklärt. Anlässlich dieses Gedenktags fand im Bayerischen Landtag eine Gedenkfeier statt, bei der die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, die AfD für ihre Verharmlosung der Nazi-Verbrechen scharf kritisierte. Es kam zum Eklat, nahezu die vollständige AfD-Fraktion verließ daraufhin den Plenarsaal. Als wäre das Verhalten der AfD nicht alleine schon eine Ungeheuerlichkeit, Frau Knobloch sieht sich seit Ihrer Rede unzähligen Anfeindungen und Beschimpfungen, natürlich größtenteils anonym und per Email ausgesetzt.
Was ist los in unserem Land, auf das so viele unserer Mitbürger so mächtig stolz sind?
Dem Land, in dem man seit einiger Zeit, insbesondere von den stolzen Deutschen, immer wieder die Aussage „..das wird man ja wohl noch sagen dürfen..“ vernimmt. Wo der Bundesvorsitzende der AfD die Naziherrschaft als Vogelschiss in der deutschen Geschichte bezeichnet. Was ist passiert, gerät hier plötzlich etwas aus den Fugen? Leider gibt es auch über 70 Jahre nach Beendigung des Naziregimes eine nicht eben kleine Schicht, die sich antisemitisch und rassistisch positioniert, denn „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ (Bert Brecht). Neu ist allerdings, dass dies plötzlich wieder als „en vogue“ gilt, die Grenze des Sagbaren hat sich, nicht nur in Deutschland, eindeutig verschoben. Rechtsnationale Politiker, euphemistisch als Populisten deklariert, verzeichnen mit ihren Sammlungsbewegungen regen Zulauf und beängstigend hohe Stimmengewinne bei Wahlen. Man darf konstatieren, mit dem Einzug der AfD in die Parlamente, wurde politischen Hazardeuren eine parlamentarische Mitgestaltung zuteil, die das in 70 Jahren deutscher Geschichte Erworbene zum großen Teil in Frage stellen oder gar bekämpfen, sei es Minderheitenrechte, Gleichstellung von Mann und Frau, Umweltschutz oder das Bekenntnis zu einem geeinten Europa.
Die Gründe des Zuspruchs zur AfD stehen in krassem Gegensatz zu ihren Zielen. Gerieren sie sich öffentlich als Fürsprecher der Abgehängten oder einer „schweigenden Mehrheit“, weisen ihre Parteiprogramme nur wenig Substantielles oder gar diametral anderslautende Aussagen auf, sofern die entsprechenden Grundsatzprogramme überhaupt veröffentlicht werden.
Erstaunen, ob der großen Zahl an Enttäuschten über die Politik der (ehemals) großen Volksparteien, CDU/CSU und SPD, ist fehl am Platze. Als nach der Wende der Osten Deutschlands auf dem Wühltisch der freien Marktwirtschaft feilgeboten und von ebendiesen Parteien ausnahmslos in das hohe Lied des Neoliberalismus eingestimmt wurde, kam es zu ebendiesen gesellschaftlichen Verwerfungen, deren Einebnung nun einer Sysiphos- oder Herkulesaufgabe gleicht, je nach Betrachtung liefert die griechische Mythologie anschauliche Bezüge.
Sicher liefert diese Betrachtung nur einen Aspekt für den Zulauf zur AfD. Rechtskonservative Flügel und deren Exponenten fanden den Weg von den konservativen Parteien zu dieser sog. Alternative. Es gab sie also schon immer, geschichtsvergessene nationalistische „aufrechte“ Deutsche, die in weinseliger Gemeinschaft das Horst-Wessel-Lied intonierten. Nun aber in neuem Gewand, jedoch mit unveränderter Visage und heute unter Begleitung entsprechender medialer Aufmerksamkeit, was die Sache sicher nicht besser macht. Noch bis vor einigen Jahren war vom nationalistisch-rassistischen Bodensatz die Rede, dieser hat sich zu einer veritablen braunen Brühe entwickelt, welcher das Land und den gesellschaftspolitischen Diskurs mehr und mehr kontaminiert.
Geradewegs als Bestätigung ihrer Positionen muss es die AfD empfunden haben, als seit dem vergangenen Jahr führende CSU-Politiker deren Positionen übernahmen, um sich im Stundentakt mit Unmenschlichkeitsphrasen zu überbieten, und Alexander Dobrindt mit gepflegter Dumpfheit von einer konservativen Revolution fabulierte. Ob er sich dessen bewusst war, dass dies der Sammelbegriff aller antiliberalen Strömungen in der Weimarer Republik war? Wie auch immer, die Früchte dieser Politik fährt die AfD heim.

Der Apell sei an die Wähler gerichtet, welche wider besseres Wissens, aus Protest, Enttäuschung über „die Politik“ nun mit ihrer Stimme ein Zeichen setzen wollen. Allen gemein ist die tiefe Verachtung für alles Moderne, jede gesellschaftliche Herausforderung. Im Grunde eint sie ein bis in die tiefste Faser eingegerbter Pessimus. Durch ihr Abstimmungsverhalten wollen sie es allen zeigen, der verhassten Kanzlerin, den linksdominierten Medien, generell allen „Volksfeinden“.  Wählen ist vornehmste Bürgerpflicht erfordert Mündigkeit, ein gerüttelt Maß an Verantwortungsbewusstsein und darf nicht zum infantilen Vergeltungsgehabe degeneriert werden.
Innerhalb kurzer Zeit haben rechtsnationale Strömungen dazu geführt, dass sich Europa seiner humanitären Grundsätze entledigt hat und (weg)sehenden Auges tagtäglich Menschen im Mittelmeer ersaufen. Bürger und Organisationen, welche sich für Migranten engagieren sehen sich Angriffen ausgesetzt, ja müssen gar um das eigene und das Leben ihrer Familien fürchten, die Morde des NSU geben Zeugnis darüber. Die neuen Rechten legen Hand an, an alles Fremde, an alles, was den Anschein der Liberalität und den Errungenschaften der Moderne hat, an alles was unsere Gesellschaft an Humanität und Zukunftsorientiertheit erreicht hat.
Die Leugnung der Verbrechen der Nazidiktatur ist nicht nur Ausdruck von Geschichtsvergessenheit und Dummheit, es steht für den Zustand einer geistigen Verkommenheit und muss von allen Bürgern geächtet werden, dies sollte den Minimalkonsens unserer Gesellschaft darstellen. Hierfür tagtäglich einzustehen, muss sich jeder vornehmen, der stolz auf dieses Land sein möchte.

„Ihr seid nicht schuld an dem was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht“ (Max Mannheimer)

 

 

Es weihnachtet zu sehr!

Es weihnachtet zu sehr!

„Ja is denn schon wieder Weihnachten?“ werbespottete vor einigen Jahren ein Ex-Giesinger und nun aufgrund fiskalischer Optimierung in Salzburg residierendes Fußballblaublut.
Ja, gefühlt seit dem Wiesn-Ende befinden wir uns im Weihnachtsmodus. Anfangs etwas verschämt, (die seit Mitte August in den Supermarktregalen feilgebotenen Lebkuchenherzen wurden aufgrund Schimmelbefall bereits zweimal ausgetauscht) nun aber, wenn‘s ab Mitte November stramm auf den 1. Advent zugeht und es in nahezu jedem Kaff weihnachtsmarktelt, brechen alle Dämme. Von wegen „staade Zeit“! Dörfer und Innenstädte werden von einer Melange aus drittklassigen Weihnachtsliedern, Synthesizer-Glocken-Gebimmel und Hohoho-Rufen zwangsbeschallt, dass einem um die Gesundheit der hier arbeitenden und lebenden Menschen Angst und Bang wird.

Nur hartgesottene Naturen und absolute Glühwein-Junkies setzen sich freiwillig diesem Inferno aus. Gerät man als eher zartbesaiteter Zeitgenosse, aufgrund nicht aufschiebbarer Sachzwänge, vulgo Geschenkeeinkauf, dennoch in diesen Molloch, ist Vorsicht geboten. Hunger- oder Durstgefühl sollten –wenn irgend möglich – unterdrückt werden. Die an den zahlreichen Fress-Ständen angebotenen „Spezialitäten“ sind ausnahmslos für speziell robuste Mägen gedacht und geeignet, dem Verzehrer eine veritable Magen- und Darmverstimmung zu bescheren.

Ist das eine Zeiterscheinung, war früher alles besser? Von wegen! Schon vor über 40 Jahren antwortete der Wiener Kabarettist Helmut Qualtinger in seiner Figur des Travnicek auf die Frage des Herrn Karl: „Was wünschen Sie sich, wenn sie durch das weihnachtlich erleuchtete Wien gehen? Einen Kurzschluss!“
Die Vorweihnachtszeit war also schon immer überwürzt in optischer, akustischer und kulinarischer Hinsicht, früher halt auf einfacherem, niedrigerem Niveau und vielleicht mit weniger Geschmacksverstärkern versehen und nur punktuell anzutreffen.
Heute dagegen, ein Entkommen nahezu ausgeschlossen, selbst bei Meidung aller konsumistischen Hotspots. Naturgegeben bewegt man sich ja ab Anfang November in der Dunkelheit in die Arbeit und nach getanem Werk wieder nach Hause, aber selbst hier, auf vermeintlich nicht-vorweihnachtlich kontaminiertem Terrain, es gibt kein Entkommen.
Straßenzüge werden mit sämtlich aufzutreibenden Leuchtmitteln versehen und gleichen dem Champs Elysées am 14. Juli bei Nacht. Angesteckt durch derlei Euphorie können auch die privaten Haushalte nicht außen vor bleiben. Farblich changierende Lichtspiele und blinkende Sterne vor und in den Fenstern, Weihnachtsmänner(hohoho!) die halsbrecherisch Balkone erklimmen, illuminierte Rentiergespanne über dem winterfest abgedeckten Gartenteich! Verschreckt vom Anblick, beantragt der heilige St. Nikolaus Asyl in der Türkei.

Als einziger, nur dezent weihnachtlich geschmückter Bereich bleibt, Gottseidank(!), das Büro. Und während ich diese Zeilen schreibe umweht mich ein verführerischer Duft nach Zimt, Nelken, Sternanis und ROTWEIN!, offenbar hat die Kollegin Glühwein aufgesetzt!
Mei, so schee is´ scho, de Vorweihnachtszeit!

Eine frohe, friedliche Adventszeit!

(Autor unbekannt, nach ihm wird derzeit europaweit durch die Leuchtmittel- und Süßwarenindustrie gefahndet!)

Wenn er aber kommt…

Verfügten die polnischen, französischen oder italienischen Wölfe über einen Zugang zu unseren Informationskanälen und wären sie zudem des Lesens mächtig, sie würden wohl einen großen Bogen um Deutschland machen, auf dem ihnen innewohnenden Drang nach Wanderschaft. Spätestens seit der unsäglichen Debatte hierzulande über Flüchtlingsströme, wäre ihnen der Gedanke, in Deutschland nach neuen Habitaten zu suchen, als undenkbar, ja gerade absurd erschienen. Tja, man hat´s nicht leicht als Einwanderer im Land der „Richter und Henker“, weder als Homo sapiens, noch als Canis lupus.
Nun, mangels eingangs genannter Fähigkeiten, wandern immer wieder Wölfe nach Deutschland ein und haben, vor allem im Norden und Osten der Republik, Nischen gefunden und sich niedergelassen. So weit so gut, bzw. schlecht, je nach Perspektive.
Die Koexistenz von Meister Isegrim und Mensch war schon vor seiner Ausrottung im 19. Jahrhundert nicht gerade spannungsfrei. Und so kommt es auch heute immer wieder zu kleinen und größeren Übergriffen von Wölfen auf Nutztiere. Aus Sicht des Wolfes stellen Weidetiere, insbesondere Schafe und Ziegen, eine ideale Nahrungsquelle dar: geringer Fluchtreflex, meist ungenügend oder gar nicht durch entsprechende Maßnahmen geschützt, in der Summe eine leichte Beute, im Vergleich zu Wildtieren. Dieses, aus wildbiologischer Sicht evidente Verhalten, erregt mal mehr, mal weniger die Gemüter, insbesondere jene der Nutztierhalter. Deren Ruf nach Sanktionen ist nachvollziehbar und begründet. Aufgenommen und eskaliert werden derlei Meldungen von Wolfsübergriffen auf Nutztiere nur allzu bereitwillig von den Medien. Die inhaltliche Substanz dieser Meldungen steht meist, insbesondere bei der Boulevardpresse, im krassen Widerspruch zu ihrer Aufmachung, was zählt, ist die Auflage. Diese Agitation verfehlt nicht ihre Wirkung, gerade in ländlichen Gegenden wird das Thema zunehmend zum Politikum. Um das Ausmaß der öffentlichen Debatte und deren Irrationalität zu begreifen, genügt ein Blick auf die jüngsten Ereignisse, sogar beim CDU-Parteitag, vergangenes Wochenende in Hamburg, war „der Wolf“ Teil der Debatte.
Die Konservativen, aber auch einige SPD-Ministerpräsidenten beeilen sich, in der Diskussion um den Wolf verlorengegangenes Terrain wiedergutzumachen. Insbesondere in Bundesländern mit Wolfsvorkommen fühlen sich Bürger mit dem „Wolfsproblem“ alleine gelassen und finden Unterstützung bei der AfD. Deren Vertreter schwadronieren von bewusster, aktiver Wiedereinbürgerung der „Bestie“ und agitieren in diesem Zusammenhang gegen „Wolfsfreunde“, und die gesamte „großstädtische Naturschutzbewegung“.
Um Entschlossenheit und klare Kante zu beweisen, würde so mancher Umweltminister oder Ministerpräsident gerne, am liebsten täglich, den Wolfsgegnern einen erlegten (euphemistisch gesprochen: entnommenen) Wolf vor die Füße legen.
Die Stimmung ist aufgeheizt und jetzt rächen sich die Untätigkeit und fehlende vorbereitende Maßnahmen bei der Rückkehr der Beutegreifer Wolf, Bär und Luchs. Die seit Jahren wiederholten Forderungen von Wildbiologen und Umweltschützern nach Managementplänen verhallten ungehört, scheiterten aber vor allem am Willen, der Entschlossenheit und dem Bückling der politisch Verantwortlichen vor den großen Interessensverbänden der Nutztierhalter und der Jägerschaft.
Die Gesellschaft begrüßt in ihrer Mehrheit die Rückkehr einst ausgerotteter Wildtiere. Der verklärte Blick so mancher Naturromantiker, geprägt von einer Sehnsucht nach Ursprünlichkeit und Wildnis, ist aber hier genauso fehl am Platze, wie die Forderung von Politikern nach wolfsbefreiten Gebieten. Die Einwanderung der Wölfe ist ein Faktum, wer den Menschen verspricht, sie davor zu schützen, handelt fahrlässig und in Unkenntnis wildbiologischer Zusammenhänge.
Weidetierhalter und deren Nutztiere sind derzeit die Leidtragenden fehlender Mangementpläne. Die Weidetierhaltung trägt in hohem Maße zum Erhalt der Artenvielfalt bei, diese Gemeinwohlleistung muss in entsprechendem Maße von der Gesellschaft honoriert werden. Gutes Wolfsmanagement zeichnet sich durch fachkundige Beratung und finanzielle Unterstützung beim Herdenschutz und bei entstandenen Wolfsrissen aus. Und ja, auch der Abschuss verhaltensauffälliger Tiere muss möglich sein und ist dies bereits aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage.

Der Wolf ist weder gut noch böse, derlei menschliche Zuschreibung verfehlt das Wesensmerkmal dieses einzigartigen Tieres. Der Wolf und auch der Luchs regulieren und vervollständigen in idealtypischer Weise unseren Wildtierbestand.
Zuallerletzt sollten sie zum Spielball populistischer Spielchen werden.

 

 

 

Schnee von gestern

Sonnenschein pur bei nahezu badewetterverdächtigen Temperaturen bescherte uns der Herbst am vergangenen Wochenende. Kurzbehost und sonnenbebrillt zog es die Menschen in Massen an die Seen und in die Berge. Tu felix Austria, wird angesichts der miserablen Aussichten auf einen möglichst baldigen Wintereinbruch so mancher bayerische Tourismusmanager gedacht haben, als die Kitzbüheler Bergbahnen am vergangenen Wochenende an der Resterhöhe die Skisaison eröffneten.
Richtig gelesen: Kitzbühel,  Resterhöhe, auf knapp 1.900 m ü.NN!

Weiterlesen „Schnee von gestern“

Der Preis wäre heiß

46 Jahre ist es nun her, dass der Club of Rome seine Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft unter dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ am St. Gallen Symposium vorstellte. Der politisch-wissenschaftliche Diskurs über die menschengemachte Erderwärmung war noch eineinhalb Jahrzehnte entfernt. Seit Anfang der 1990er Jahre, als sich die Anzeichen darauf verdichteten, folgten unzählige weitere Warnungen aus den Reihen der Wissenschaft und von Umweltverbänden, aber auch die Kirchen widmeten sich dem Thema. Den wohl prominentesten Weckruf zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Erde veröffentlichte Papst Franziskus mit seiner zweiten Enzyklika unter dem Titel „Laudato si´“. Auf internationaler politischer Ebene fanden seit dem Umweltgipfel 1992 in Rio 23(!) Weltklimakonferenzen statt. Der als Erfolg gefeierte Gipfel 2015 in Paris endete mit einer Absichtserkläung die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C, idealerweise 1,5°C bis zum Jahr 2100, im Vergleich zum vorindustriellen Level, zu begrenzen.
Die konkreten Auswirkungen einer Erwärmung um diese 1,5°, bzw. 2° für die Erde und die Menschheit stellte nun der IPCC in seinem Special Report vor. Explizit wurde dabei herausgearbeitet, welche gravierenden Unterschiede für den Fortbestand der Erde ein, nach menschlichem Empfinden läppisches, halbes Grad bedeuten. Der geneigte Leser kann sich unter https://www.de-ipcc.de/256.php den Bericht des IPCC gerne zu Gemüte führen. Grundsätzlich sollte uns bewusst sein, dass das Zwei Grad Ziel nur mit entsprechend großen Anstrengungen zu erreichen ist, deren Umsetzung bisher nicht ansatzweise erkennbar ist. Sollten wir in gewohnter Weise weiter wirtschaften, werden es bis zum Ende des Jahrhunderts 3-4° mehr sein.
Weiterlesen „Der Preis wäre heiß“

Die Lehren aus Chemnitz

Seit nahezu zwei Wochen fokussiert sich nun die öffentliche Berichterstattung auf  Chemnitz. Der gewaltsame Tod eines 35-Jährigen und die Festnahme der beiden der Tat verdächtigen Asylbewerber, hat zu gewaltsamen Demonstrationen in der sächsischen Stadt geführt. Die AfD, das teilweise rechtsradikale Bündnis „Pro Chemnitz“ und verschiedene, offen fremdenfeindliche Organisationen, haben, Betroffenheit und Anteilnahme heuchelnd, zu einem „Trauermarsch“ aufgerufen, bei dem sich der Hass auf alles Fremde innerhalb kurzer Zeit zu Gewaltexzessen entwickelte. Nach aktuellen Berichten haben auch Angriffe auf ein jüdisches Restaurant stattgefunden.
Weiterlesen „Die Lehren aus Chemnitz“

Flächenfraß

Nun hat also der Bayerische Verfassungsgerichtshof das „Volksbegehren gegen den Flächenfraß“ für nicht zulässig erklärt. Die Urteilsbegründung der Richter deckt sich nahezu wortgleich mit jener des Innenministeriums, wo der Antrag bereits vor einiger Zeit abgelehnt wurde. Man mag nun über die Unabhängigkeit der Richter dieses Verfassungsorgans spekulieren (schließlich werden diese Richter vom bayerischen Landtag mit einfacher(!) Mehrheit bestimmt), schlussendlich ist die höchstrichterliche Entscheidung jedoch zu respektieren. Dass nun Vertreter der CSU und der Freien Wähler diese Entscheidung als Sieg und positives Signal für das kommunale Selbstbestimmungsrecht feiern, spiegelt die Arroganz der Regierenden (CSU) und die schleimige Anbiederung an die Machtausübenden wieder. Weiterlesen „Flächenfraß“

Geschichtsvergessenheit

Seenotrettung begünstigt und fördert Migration, so lautet die krude Logik der nationalistischen Regierungspartei Lega und ihres Innenministers Matteo Salvini. Konsequenterweise lies Salvini die italienischen Häfen für private Seenotretungsschiffe sperren. In Malta wurde das Rettungsschiff Lifeline festgesetzt, der Mannschaft droht eine Anklage.
Weiterlesen „Geschichtsvergessenheit“