Sonnenschein pur bei nahezu badewetterverdächtigen Temperaturen bescherte uns der Herbst am vergangenen Wochenende. Kurzbehost und sonnenbebrillt zog es die Menschen in Massen an die Seen und in die Berge. Tu felix Austria, wird angesichts der miserablen Aussichten auf einen möglichst baldigen Wintereinbruch so mancher bayerische Tourismusmanager gedacht haben, als die Kitzbüheler Bergbahnen am vergangenen Wochenende an der Resterhöhe die Skisaison eröffneten.
Richtig gelesen: Kitzbühel, Resterhöhe, auf knapp 1.900 m ü.NN!
Die Kitzbüheler „Snowfarming-Pros“ legen in weiser Voraussicht, böse Zunge behaupten auch aus Profitgier, im Winter Schneedepots an, verpacken diese hermetisch und von aller sommerlichen Unbill, vulgo Hitze, geschützt in Folie, um dann in der nächsten Wintersaison, idealerweise als erster Wintersportort die Saison zu eröffnen. Bestem Bergwanderwetter bei Temperaturen jenseits der 20° zum Trotz wird dann das weiße Gold der Wintersportenthusiasten über grüne Wiesen verteilt und unter mehrtägigem Einsatz von zahllosen Pistenraupen zu passablen Pisten gewalzt. Klimawandel? Nachhaltigkeit? Eh klar!
Die in argumentativer Abwehr von besserwisserischen „grünen“ Einwänden bestens aufgestellte Pressestelle der Liftgesellschaften verweist auf die ökologisch sinnvolle und ökonomisch nachhaltige Methode der Schneekonservierung. Dass es sich hierbei um eine Melange aus 80% Kunstschnee und 20% Naturschnee handelt, versteht sich von selbst. Dafür und um die 200 Tage Schneegarantie aufrechtzuerhalten, wurden doch die kilometerlangen Wasser- und Stromleitungen verlegt.
Die Szenerie hat durchaus etwas Skurriles an sich, wenn an kurzärmeligen Bergwanderern in Shorts die behelmten und protektierten Ganzjahreswintersportler vorbeirutschen.
Das Kalkül der Kitzbüheler Bergbahnen scheint aufzugehen, tragen doch Letztere wesentlich mehr zur alpinen Wertschöpfung bei.
Außerdem drängt die Zeit, denn spätestens Ende Jänner stellt der selbstoptimierte Zeitgeistsportler seine Brettl in den Keller, um dann auf Mallorca die ersten und für die Sommerperformance so wichtigen Kilometer auf dem Rennrad zu kurbeln.